Montag, 5. Juni 2017

Feinde und andere Gegner


Meine Lieblingsfeinde im Garten sind die Nacktschnecken. Die Liebe zu ihnen variiert von Gartenjahr zu Gartenjahr, manchmal habe ich sie fast vergessen und wähne mich in Sicherheit wie in diesem trockenen Frühjahr. Keine Schnecke weit und breit, nichts angeknabbert, keine Schleimspuren. Nirgends. Das hat sich allerdings nach dem ersten ausgiebigen Regen an Ostern geändert und ich habe ganz wenige, winzige Schnecken gesichtet. Also noch kein Alarm, nur Warnstufe hellgrün. Jetzt an Pfingsten, nach starken Gewitterregen, ist die Warnstufe auf tiefrot geändert: sie sind wieder da. Überall. Abendliches Absammeln bringt reiche Ernte, glücklicherweise sind sie alle noch relativ klein. Bei mir im Garten wachsen nur wenige schneckenempfindliche Pflanzen, da ich gegen die invasionsartige Armee der Schleimer eigentlich keine Chance habe. Meinen Gemüsegarten habe ich schon vor Jahrzehnten mit einem Schneckenzaun versehen, der zwar nicht restlos alle Schnecken fernhält, aber die meisten und so ermöglicht, dass ich Salat ernten kann. Aber auch eine Schnecke innerhalb der Umzäunung genügt und schon sind die frisch gepflanzte Petersilie oder die gerade aufgelaufenen Möhren weg!
Illusionen, die Schnecken jemals ausrotten zu können, habe ich nicht, ich kann nur ihre Zahl reduzieren. Immer und immer wieder. Denn jede Schnecke bedeutet ca. 400 Nachkommen im Folgejahr! Weinbergschnecken, die ich nicht bekämpfe obwohl ich manchmal stark in Versuchung bin, sollen als Lieblingsspeise Schneckeneier von Nacktschnecken haben. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob die Weinbergschnecken das auch wissen.

Schnecken sind klar meine Feinde, Wühlmäuse, die meinen Garten auch manchmal heimsuchen, allerdings sind ernstzunehmende Gegner. Ich habe in den letzten drei Jahren, in denen ich sie mit Fallen bekämpfe, gelernt, vor ihnen Respekt zu haben. Es sind schlaue Tiere! Habe ich in mühsamen Beobachtung und Stocherarbeit endlich ihre Gänge gefunden und sorgfältig die Fallen eingesetzt, schwupp sind sie da und scharren die Fallen mit Erde zu. Die Falle schnappt daraufhin zu und ich laufe hocherfreut zum Ort der Geschehens um den Jagderfolg zu begutachten. Nichts ist. Erde.
Diese Jagd ist ein Stück mit gleichwertigen Partnern: Oft gewinnt die Maus, manchmal auch ich. Es ist mir schon passiert, dass ich in einem verzweigten Hauptgang fünf(!) Fallen stehen hatte und hörte förmlich die Wühlmaus wie sich über meinen Eifer amüsierte und alle Fallen nacheinander durch Zuscharren entschärfte. Ich konnte zuschauen, eine Falle nach der anderen schnappte zu. Kein Erfolg aber es nötigt mir Respekt ab.
Im Laufe dieser Jagdgeschichten habe ich herausgefunden, dass ich überhaupt keine Chance auf Erfolg habe, wenn die Erde trocken ist. Nur nach ergiebigem Regen sind die Wühlmäuse - zumindest in meinem Garten - in Stimmung von unten leckeres Fressen zu inspizieren.
Sternstunden der Jagd sind mir gerade an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gelungen: zwei dumme Wühlmäuse nacheinander im gleichen Loch. Allerdings befürchte ich, dass die Population insgesamt immer schlauer wird. Die Dummen gehen in die Fallen. Die Fänge steigen nicht wirklich wie aufgrund der Zunahme meiner Fähigkeit bezüglich der Identifikation der jagderfolgversprechenden Gänge zu erwarten wäre. Ja, ab und zu habe ich Erfolg aber ich füge der Population wahrscheinlich nicht wirklich Schaden zu und ausrotten werde ich sie keineswegs. Es ist so etwas wie Kräftemessen mit durchaus gleichwertigen Waffen!

Edith mit einem Garten in Waldems, die bei den Gärtnern im Weiltal Aufnahme gefunden hat





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Artikel aus dem Usinger Anzeiger vom 8.8.2018: http://www.usinger-anzeiger.de/lokales/weilrod/offene-gaerten-im-oberen-weiltal-abgesagt_1...